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2. Weltkrieg: Kirchenvertreter sehen Schuldanteil auch bei Siegermächten

Bild: flickr/BiblioArchives

von Max Briese //

Streit über „politisch unkorrekte“ Äußerungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Dem brandenburgischen Regionalsender „RBB“ gab die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus zu verstehen, daß der Zweite Weltkrieg nicht allein den Deutschen angelastet werden dürfe. Nicht anders zu erwarten, löste diese Aussage natürlich sofort Entrüstung in der Öffentlichkeit aus. Ähnlich verhielt es sich nach den Aussagen des Potsdamer Pfarrers Klaus-Günter Müller, welcher zu den Ursachen meint: „Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, daß die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: daß das nach Revanche schreit, ist doch klar.“

Daß der „Versailler Vertrag“ von sämtlichen renommierten Historikern in der Tat oftmals als Keimzelle des Zweiten Weltkriegs gesehen wird, ist kein Geheimnis. Nicht zuletzt hatte selbst der amtierende russische Präsident, Vladimir Putin, den „Versailler Vertrag“ als Wurzel für den Zweiten Weltkrieg bezeichnet und auch der deutsche Historiker Hans-Christof Kraus ist sich sicher, „daß mit „Versailles“ der Weg hin zum Zweiten Weltkrieg wenigstens mit ermöglicht wurde“.

Zweiter Dreißigjähriger Krieg

Die Äußerungen der Kirchenvertreter sind allerdings nicht allein Stein des Anstoßes. Dem „RBB“ zufolge wurden nämlich 17 Kirchengemeinden mit Millionenspenden von der „umstrittenen“ „Stiftung Preußisches Kulturerbe“ bedacht, dessen Vorsitzender, Max Klaar, sich mit verbalen Entgleisungen hervorgetan haben soll. So habe der frühere Bundeswehroffizier den Zweiten Weltkrieg als „Zweiten Dreißigjährigen Krieg“ bezeichnet, der darauf abzielte, „Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten“. Kurzum, auch er sieht die Alleinschuld nicht bei Deutschland.

Liest man einige Zitate aus englischen Printmedien, erscheint zumindest der Verdacht, daß die Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes nicht das Primärziel der Großmächte war, durchaus als gerechtfertigt. In der britischen Zeitung „Sunday Correspondent“ vom 17. September 1989 heißt es: „ Wir sind 1939 nicht in den Krieg eingetreten, um Deutschland vor Hitler oder die Juden vor Ausschwitz oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, daß wir die deutsche Vormachtstellung in Europa nicht akzeptieren können.“ Dieses Zitat wurde nur ein Tag später auch von der „Frankfurter Allgemeinen“ wiedergegeben. Bereits 1919 war in der „Times“ bezüglich des Ersten Weltkrieges zu lesen: „Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel zu betreiben beginnt, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.“

Doktrin der „Politischen Korrektheit“

Die Diskussion um den Schuldanteil am Zweiten Weltkrieg ist nicht neu. So hatte der russische Militärhistoriker Sergej Kowaljow bereits 2009 auf der Website des russischen Verteidigungsministeriums Polen eine erhebliche Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gegeben. Seinen Ausführungen zufolge habe Polen durch die Ablehnung der „gemäßigten Vorderungen Hitlers“ den Krieg mitverschuldet. Diese Forderungen waren zum einen Danzig ans Deutsche Reich anzugliedern und zum anderen die Schaffung einer exterritorialen Verbindung nach Ostpreussen.

Nach der Doktrin der „Politischen Korrektheit“ ist eine kontroverse Auseinandersetzung über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges derzeit weitestgehend tabuisiert. Ähnlich verhielt es sich lange Zeit, wenn es um die Ursachen des Ersten Weltkrieges ging. Das änderte sich jedoch spätestens seit Erscheinen des Werkes: „Die Schlafwandler“ vom australischen Historiker Christopher Clark. Ob es auch einmal eine doktrinfreie Diskussion zu den Anfängen des Zweiten Weltkrieges geben wird, bleibt abzuwarten.

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