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Kampfbegriff „Rassismus“

von Jörg Schröder //

Analyse eines politischen Kampfbegriffes.

Leicht könnte man den Eindruck gewinnen, dass wir in einer ausgesprochen „rassistischen“ Gesellschaft leben. Denn fast täglich berichten die regimekonformen „Qualitätsmedien“ über Phänomene wie etwa den „Alltags-Rassismus“ oder den „Rassismus in der Mitte der Gesellschaft“. Offensichtlich geht es dabei weniger um eine objektive Beschreibung oder gar um eine anthropologische Analyse der in Deutschland und Europa ohne Zweifel vorhandenen Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien. Vielmehr impliziert der diffuse Begriff „Rassismus“ in diesem Zusammenhang fast immer eine bestimmte ideologische Deutung dieser Konflikte, eine Deutung, die sich inzwischen meist um die Vorstellung von einem „Rassismus ohne Rassen“ zu drehen scheint. Gemeint ist damit eine auf der Grundlage von „erfundenen“ biologischen Merkmalen vorgenommene Unterscheidung von „Wir“ und „Nicht-Wir“ zwecks Unterdrückung und Ausbeutung von Minderheiten. Dieser ausschließlich von der „weißen Mehrheitsbevölkerung“ ausgehende „Rassismus“ sei nicht nur verwerflich, sondern auch dumm. Denn gruppenbezogene, biologische Merkmale seien beim Menschen – wenn überhaupt vorhanden – nur oberflächlich wahrnehmbar, und daher im Grunde genommen bedeutungslos (1).

Utopie von der „Menschheit in einer Gesellschaft“

Beim Vorwurf des „Rassismus“ stehen unverkennbar Fragen der Moral im Vordergrund. Und tatsächlich könnte man es für unmoralisch halten, wenn eine organisch gewachsene Ordnung durch die Unterdrückung von bestimmten Teil-Gruppen gespalten und damit in Frage gestellt werden würde. Wenn „Anti-Rassisten“ den „Rassismus“ anprangern, beklagen sie aber meist gerade nicht die Infragestellung einer konkreten Ordnung, sondern sie beklagen mehr oder weniger bewusst die Nicht-Verwirklichung der Utopie von einem ebenso rassenlosen wie vollständig befriedeten Endzustand der „gesamten Menschheit“. Und die Fixierung auf diese Utopie von der „Menschheit in einer Gesellschaft“ ist auch der Grund dafür, dass der Vorwurf des „Rassismus“ meist untrennbar mit dem Bemühen der „Anti-Rassisten“ verbunden ist, konkrete Ordnungen – beispielsweise die europäischen Nationalstaaten – durch die Förderung von möglichst viel Zuwanderung von Menschen aus fremden Kulturkreisen zu „überwinden“. Dass durch die absichtlich geförderte „multikulturelle Bereicherung“ jedoch das Gegenteil von einem idyllischen Miteinander erreicht wird, liegt klar auf der Hand. Es reicht ein einfacher Blick auf die jüngere Entwicklung von „multikulturellen“ Städten wie Offenbach, Duisburg oder Berlin-Neukölln um festzustellen, dass der „Antirassismus“ ein Programm zur Auflösung und Zerstörung ist. Ein Programm, das – sollte es so wie bisher fortgeführt werden – Europa langfristig dem Chaos, der Barbarei und der Dysfunktionalität der „dritten Welt“ angleichen wird.

Egalitarismus und deutscher Schuldkomplex

Warum fällt dieser Wahn dennoch bei so vielen Deutschen auf fruchtbaren Boden? Neben der tragischen Neigung, das Fremde hochzuschätzen und das Eigene gering zu achten, ist zweifellos die Disposition zu einem universellen Egalitarismus von zentraler Bedeutung. Kern dieser Ideologie ist die Annahme, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Ethnie mit gleichen Anlagen auf die Welt kommen und dass die zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen dennoch zu beobachtenden Unterschiede – beispielsweise Unterschiede im Bildungserfolg – dementsprechend ausschließlich auf widrige Umstände oder auf „Benachteiligungen“ zurückzuführen sein können. Und zu Gunsten des irgendwann einmal zu realisierenden gerechten Endzustands der „gesamten Menschheit“ gelte es, diese Ungleichheiten und „rassistischen“ Missstände zu beseitigen (2). Begünstigt wird diese Einstellung durch einen in Deutschland besonders ausgeprägten Schuldkomplex, der oft in der Forderung gipfelt, dass „gerade wir als Deutsche“ aufgrund „unserer Vergangenheit“ bei der Realisierung dieser endgültig gerechten Weltgesellschaft eine „Vorreiterrolle“ einnehmen sollten. „Rassistische Konstrukte“ wie Volk und Nation seien im Zeitalter der „Globalisierung“ ohnehin überholt.

Vorherrschaft des Ökonomischen als Konsequenz der Auflösung

Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund war es für bestimmte politische Akteure (3) ein leichtes Spiel, den Kampf gegen den „Rassismus“ nicht nur in Teilen der Zivilgesellschaft, sondern auch bis in die staatlichen Institutionen hinein salonfähig zu machen. Die Folge war, dass in den letzten Jahren zahlreiche Projekte und „Antirassismus-Programme“ initiiert und staatlich gefördert wurden (z.B. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“). Wie effektiv die ohnehin von Schuldkomplexen belasteten Deutschen auf diese Weise weiter verunsichert wurden, zeigt die inzwischen weite Verbreitung der irrigen Annahme, dass die bloße Präferenz der eigenen Ethnie quasi automatisch mit der „rassistischen Abwertung“ anderer Ethnien verbunden sei (4). Und so ist es auch kein Wunder, dass bis heute ganze Generationen von „Gutmenschen“ mehr oder weniger verzweifelt an allerlei skurrilen „Patchwork-Identitäten“ herumbasteln. Wer wollte schon ein „menschenverachtender Rassist“ sein? Die „modernen Weltbürger“ haben sich durch die Abkehr von Volk und Nation jedoch nicht nur selbst entwurzelt, sondern sie haben durch die Preisgabe der nationalen Souveränität auch zur Entstehung der vielbeklagten Vorherrschaft des Ökonomischen über Staat und Politik beigetragen. Eine Vorherrschaft des westlichen Finanzimperialismus, unter der nicht nur sie selbst leiden, sondern vor allem jene Einwanderer aus fremden Kulturkreisen, die aufgrund ihrer geringen Produktivität als ökonomisch kaum „integrierbar“ gelten und die nicht zuletzt aus diesem Grund ihr Leben in den modernen Ghettos der urbanen Parallelgesellschaften fristen dürfen.

Das Ende der liberal-individualistischen Gesellschaft

Die mit der Entstehung und Expansion solcher Parallelgesellschaften unweigerlich einhergehenden „rassistischen“ Konflikte und Aggressionen schreiten heute in dem Maße voran, wie die Kraft des früher alle Disparitäten relativierenden Nationalstaates weiter erodiert. Und insbesondere angesichts der wachsenden Einflussnahme des islamischen Fundamentalismus deutet sich an, dass das von den „Gutmenschen“ für alternativlos gehaltene Ende des Nationalstaates eben keineswegs mit dem Ende des Politischen und der Entstehung der ersehnten friedlichen Weltgesellschaft einhergehen wird. Im Gegenteil: Vor dem Hintergrund des allgemeinen Überfremdungs-Chaos hat der in West- und Mitteleuropa bereits heute mancherorts aufflackernde Konflikt zwischen den autochthonen Europäern einerseits und den gegen die „westliche Dekadenz“ aufbegehrenden, zum Islamismus tendierenden Muslimen andererseits das mit Abstand größte Potential, langfristig alle anderen bisher bestehenden politischen Gebilde zu überlagern und die Menschen maßgeblich nach Freund und Feind zu gruppieren (5). In der heutigen Transformationsphase ist noch unklar, wie sich diese Gruppierung zukünftig genau gestalten wird. Absehbar ist jedoch, dass die liberal-individualistische Gesellschaft keinen Bestand haben wird.

Anmerkungen:
(1) In Wirklichkeit ist die Existenz von Rassenunterschieden so evident, dass eine Diskussion über diese Frage unwürdig erscheint. Diese Unterschiede beziehen sich nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild, sondern auch auf physiologische und psychische Eigenschaften.
(2) Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass der Egalitarismus oft als bloße Kehrseite des Liberalismus gesehen wird. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass beide Ideologien grundsätzlich von einem primär ökonomisch bestimmten, abstrakten Individuum ausgehen, das sich zugunsten des „Fortschritts der Menschheit“ von allen traditionellen Bindungen (z.B. Abstammung, Familie, Volk, Staat) befreiten müsse. Insbesondere seitdem sich die universelle Linke endgültig vom „harten“, ökonomischen Marxismus verabschiedet und sich stattdessen ganz auf kulturrevolutionäre Strategien konzentriert hat, wird deutlich, wie sehr sich Egalitarismus und Liberalismus wechselseitig beeinflussen und durchdringen. Die „Bereicherung durch Zuwanderung“ und der „Kampf gegen den Rassismus“ erscheinen heute somit nicht nur als linke, „kulturmarxistische“, sondern auch liberalkapitalistische Forderungen, die der Realisierung einer positiven Staatstheorie diametral entgegenstehen.
(3) Ein solcher Akteur ist beispielsweise die Amadeu Antonio Stiftung. Mit dem Ziel „eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet“, unterstützt die u.a. über das BMFSFJ finanzierte Amadeu Antonio Stiftung nicht nur zahlreiche Projekte in Deutschland (z.B. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, „Bürgerstiftung BarnimUckermark“, „Kanaltheater – radikal bunt“ ), sondern engagiert sich darüber hinaus auch auf internationaler Ebene. So besteht z.B. eine Mitgliedschaft beim globalen Netzwerk WINGS (Worldwide Initiatives for Grantmakers Support), das sich für „globale Philanthropie“ einsetzt und u.a. von der Rockefeller Foundation finanziert wird.
(4) Das Ethnobewusstsein ist in Wirklichkeit keineswegs zwangsläufig mit der Abwertung des „Fremden“ verbunden. Im Gegenteil stellt dieses Bewusstsein grundsätzlich die Quelle dar, aus der die Achtung für alle Völker und Kulturen entspringt. Rassenhass entsteht meist erst dann, wenn verschiedene Ethnien das gleiche Territorium beanspruchen. „Rassistische“ Abwertungen sind somit weniger die Ursache, sondern vielmehr die Folge von tieferliegenden, existentiellen Konflikten.
(5) Die auf den Staatsrechtler Carl Schmitt zurückgehende Unterscheidung von Freund und Feind als Kriterium für das Politische ist – anders als oft behauptet wird – keineswegs bellizistisch zu verstehen. Diese Unterscheidung hat vielmehr den Sinn, den äußersten Intensitätsgrad einer politischen Dissoziation zu bezeichnen: „Der politische Feind braucht nicht moralisch böse, er braucht nicht ästhetisch hässlich zu sein; … er ist eben der andere, der Fremde, und es genügt zu seinem Wesen, daß er in einem besonders intensiven Sinne existenziell etwas anderes und Fremdes ist, so daß im extremen Fall Konflikte mit ihm möglich sind…“ (vgl. Schmitt, C. 2009: Der Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, Berlin; Neusatz auf Basis der Ausgabe von 1963).

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