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Das Helfersyndrom des „Gutmenschen“

von Jörg Schröder //

Als „Gutmenschen“ bezeichnen wir Personen, die sich zwar für das in ihren Augen „Gute“ engagieren, dabei jedoch die Realität aus den Augen verlieren und daher letztlich das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken. Indem der „Gutmensch“ etwa zugunsten des „ewigen Friedens“ eine globale Einheitsgesellschaft anstrebt, verletzt er nicht nur das menschliche Bedürfnis nach ethnokultureller Identität. Er beraubt seine Landleute auch ihrer Besonderheit und Würde. Der „Erfolg“ des „Gutmenschen“ bedeutet letztlich die Abdankung des eigenen Volkes innerhalb der Geschichte, jedoch nicht zugunsten des „ewigen Friedens“, sondern lediglich zugunsten anderer Völker.

Differenzierung erforderlich

Nun wäre es ein großer Fehler, den „Gutmenschen“ mit den eigentlichen Führern, den Vor- und Weiterdenkern des Egalitarismus einfach gleich zu setzen. Während der „Gutmensch“ nämlich meist ein braver, aber letztlich doch ein naiver, nützlicher Handlanger der Plutokratie ist, sind jene eindeutig böse und menschenverachtend. Warum? Weil die Vor- und Weiterdenker sich – anders als die „Gutmenschen“ – über die destruktiven Auswirkungen ihres Handelns genau im Klaren sind. Dabei sind die Grenzen natürlich fließend. Manfred Kleine-Hartlage hat es in einem Interview zu seinem neuen Buch „Die liberale Gesellschaft und ihr Ende“ einmal so ausgedrückt: „Auf einer gedachten Skala zwischen den Extremen der reinen naiven Verblendung und der reinen Bösartigkeit gibt es viele Abstufungen“.

Emotionale Defizite?

Seinen Ausdruck findet das „Gutmenschentum“ besonders deutlich im Zusammenhang mit den in letzter Zeit wieder verstärkt nach Deutschland strömenden Asylbewerbern. Das Organisieren von Sachspenden, Sprachkursen oder „multikulturellen Festen“ für die „neuen Bürger“ nimmt dabei inzwischen nicht selten geradezu neurotische Formen an. Was aber ist die tiefere Ursache für dieses deformierte, „gutmenschliche“ Helfersyndrom? Spielen hier möglicherweise unterbewusste Seelennöte eine Rolle? Für diese Deutung spricht jedenfalls ein Leserbrief in der Märkischen Oderzeitung. Da schreibt eine Frau B. aus Biesenthal: „Ich arbeite seit Februar ehrenamtlich im Übergangswohnheim in Wandlitz. … Seit ich das tue, bin ich reicher geworden“. Die Asylanten seien „lieb und sehr empfänglich … für …menschliche Wärme“. „Reicher geworden“, „menschliche Wärme“: Für den „Gutmenschen“ wird der Asylant offensichtlich zum Projektionsobjekt zwecks Kompensation der eigenen emotionalen Defizite. „Gutmenschen“ sind eben in Wirklichkeit wohl weder gut noch glücklich.

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